Klassik im Takt

Verband zur Förderung der klassischen Reitlehre  Deutschland e.V.



Wissenswertes


Aus Theorie und  Praxis



Es gibt viele gute Bücher, die die klassische Reitlehre beschreiben. Es muss nichts wiederholt werden und es müssen keine völlig neuen Theorien entwickelt werden. Einige Erfahrungen aus meiner 40-jährigen Praxis: Ich betrachte mich nicht als Reitlehrerin, sondern ich möchte den Reitern helfen, mit ihrem Pferd immer besser zur Harmonie zu finden. Dazu gehört zuerst, bei den Reitern das Reitgefühl und die Reitkoordination (Einwirkung) zu entwickeln. Die Ausbildung des Reiters umfasst: Sitz, Hilfengebung, "Gefühl" und Einwirkung. Sitz und Hilfengebung sind in jedem guten Reitbuch nachzulesen. Aber wo lese ich Gefühl nach ? Was möchte der Reiter fühlen, wenn er ein Schulterherein reitet? Dafür muss er ein Reitgefühl entwickeln. Jeder Reiter muss sich bewusst sein, dass er auch gleichzeitig der Lehrer seines Pferdes ist. Was soll er aber seinem Pferd lehren, wenn er noch nicht einmal weiß, was er fühlen möchte! Für die Entwicklung des Reitgefühls ist eine kompetente Ausbilderpersönlichkeit erforderlich, damit der noch nicht so erfahrene Reiter mehr und mehr in seine Lehrerrolle hineinwachsen kann.

Zuerst: Das Lernen ist wie Rudern gegen den Strom – sobald man aufhört, treibt man zurück!  Es begegnet mir immer wieder – das schlechte Durchreiten der Ecken. Die Anweisung, so tief wie möglich in die Ecke hinein zu reiten, ist für junge und noch wenig ausgebildete Pferde falsch.

Begründung: Die Ecke wird als eine Viertelvolte geritten. Die Volten werden mit einem Durchmesser von

10 m, 8 m oder 6 m angelegt. Daraus ergibt sich ein Umfang der 10 m-Volte (mit dem Pi 3,14 gerechnet) von 32 m. Eine Viertel-Volte hat also einen Viertel-Kreisbogen (von 32 m) geteilt durch 4 = 8 m!

Ein in der Ausbildung junges Pferd, welches noch nicht über ausreichend Rippenbiegung verfügt, sollte auf keinen Fall den Eckenbogen unter 8 m gehen müssen. (Es spielt natürlich auch der Rahmen des Pferdes eine Rolle.) Aber ein Eckenbogen unter 7 m sollte in der Ausbildung von jungen Pferden nicht geritten werden. Wie antworten die Pferde auf falsche Linienführung durch den Reiter?

Die häufigsten Antworten sind:

1. Sie versuchen, sich aus der Anlehnung zu befreien, da Balanceprobleme entstehen.

2. Sie fallen mit der Hinterhand aus, da eine ausreichende Rippenbiegung noch nicht vorhanden ist.

3. Sie legen sich auf die Hand, da sie sich nicht ausbalancieren können.

4. Sie verwerfen sich, da sie nicht die äußere Körperseite derart aufwölben können, um an den äußeren Zügel herantreten zu können.

5. Es entstehen Taktfehler!


Eine Bitte zum Schluss! Bitte schreiten Sie in ihrem Viereck 7 m zu Fuß ab, damit sie eine räumliche Vorstellung eines 7 m-Bogens bekommen. Sie müssen sich dabei eine Volte von 10 m in der Ecke vorstellen und auf der Kreislinie der vollen Volte die 8 m der Bogenführung abschreiten.


geschrieben von: Giselheid Claus (t)


Kontakt zu unserer aktuellen Ausbildungsbeauftragten:  ausbildung@vfkr.org   



Buchempfehlungen:

Die Lehre der klassischen Reitkunst ist in den Werken der folgenden Reitmeister als Anleitung zum Handeln verständlich niedergeschrieben:


Francois Robichon de la Guérinière  -        " École de Cavalerie"   (1733)                                                       (dt. Titel:Reitschule/Reitkunst, u.a. 1996)                       

Gustav Steinbrecht - "Gymnasium des Pferdes" (1884, Neuauflage 2004)

Alois Podhajsky -     “Die klassische Reitkunst (1965, Neu-Auflage 2009)

Egon von Neindorff -  “Die reine Lehre der klassischen Reitkunst”  (2005)